Ich wurde vor kurzem gefragt ob ich nicht unsere Stillgeschichte mal aufschreiben mag um anderen Müttern Mut zu machen. Ich habe jetzt ein wenig Zeit deshalb fasse ich sie mal etwas zusammen.
Am 09.07.2012 war es so weit. Meine jüngste Tochter wurde geboren. Sie war 54cm und 3760 gramm schwer. Eine kleine Knuddelmaus. Sie wurde beim ersten Suchen angelegt. Leider war das Problem das alles sehr schnell eingerissen ist durch das heftige trinken. Sie hatte einen ganz schönen Zug drauf. Durch dieses einreissen gab es gleich eine fiese Brustentzündung, die leider nur mit einer Antibiotikagabe zu beheben war. Damit begann die Kettenreaktion. Meine Tochter hatte sehr viel abgenommen, was man auf die Schmerzen und das verkrampfen beim stillen schob. Durch das Antibiotikum brach der Soor wieder auf, der meinen Sohn damals zum abstillen gebracht hat. Man meinte damals man müßte den nicht behandeln da mein Sohn ja nicht mehr stillen würde Dazu aber gleich mehr. Der Soor war in den Milchgängen und diese Schmerzen wurden unerträglich. Das Stillen wurde zum Spießrutenlauf. Die kleinsten Anzeichen das die Püppi aufwachen könnte und stillen wollte war für mich der blanke Horror. Warum nur tat das so weh? Ich habe geweint. Mein Mann sagte nach einiger Zeit ich solle aufhören zu stillen. Das Elend könne sich keiner angucken. Püppi nahm weiter ab. Eine Stillberaterin war da, guckte sich die Anlegetechnik ect an. Alles bestens. Sie hatte grünen Stuhlgang. Eine weitere Stillberaterin kam dann auf die Idee Milchgangssoor. Ich sollte ein bestimmtes Medikament nehmen. Also ging die Ärztetour wieder los. Keiner wollte es aufschreiben. Zu teuer um auf Verdacht zu verschreiben. Eine Ärztin habe ich dann doch gefunden. Die Schmerzen wurden nach 2 Tagen deutlich besser und waren kurze Zeit darauf weg. Doch die Püppi hat weiterhin nicht zugenommen. Daraufhin schaltete ich noch eine IBCLC ein. Ich bin zu ihr gefahren und sie hat sich auch nochmal alles angeguckt. Anlegetechnik, Windelinhalt, Gewichtsverlauf. Sie meinte das es darauf hindeutet das die Kleine nur Vormilch trinkt. Ich sollte abpumpen und etwas stehen lassen um ihr dann den abgesetzten Milchrahm zu geben. Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt um mir eine Pumpe zu besorgen. Niemand fühlte sich zuständig. Ich habe gebettelt und gefleht, mein Kind nimmt durchs stillen nicht zu. Ich brauche eine Pumpe. Sie verhungert mir. Ein Spruch gab es noch von der Arzthelferin: Gegenüber ist ein Rewe, da könne ich mir Milch kaufen. Und wieder blieb die Frage warum keiner das Stillen unterstützen will. Ich bin dann wieder zu der Ärztin die das Soormittel schon aufgeschrieben hatte und da bekam ich sie sofort nachdem ich ihr unsere Geschichte erzählt habe. Doch auch das half alles nicht. Es kam der Punkt wo die Gewichtskurve verlangte das ich zufüttern sollte/mußte. Es war der Punkt wo ich mich als absoluter Versager sah. Wieder habe ich es nicht geschafft mein Kind stillen zu können. Wie damals bei Nr.1 schon. (Das hatte aber andere Gründe) Mit wiederwillen hab ich ihr das Fläschchen fertig gemacht. Es hat sich alles in mir gestreubt, habe mir immer wieder eingeredet das es jetzt Muß. Gekämpft und doch verloren. Ich saß auf dem Küchenboden und habe fürchterlich geweint. So eine Engel, Teufelchen Sache. Der Kopf sagte, gib ihr die Flasche, der Bauch sagte: lass es. Ich machte die Flasche fertig, stellte sie meinem Mann unter Tränen vor die Nase und meinte er solle das machen. Ich kann das nicht. Er machte es. Und sie trank. Mit jedem Schluck fing ich mehr an zu weinen. Sie trank aber nur ca. 50 ml und dann war Schluß. Wir fanden einen Kompromiss. Erst stillte ich, danach gab es die Flasche. Jetzt kam noch hinzu das sie richtig üble Bauchschmerzen bekam und der Stuhlgang wurde grün- flüssig. Ich ging zum Stilltreff und meine IBCLC fragte wie es uns so geht.und riet mir dazu die Flasche wieder ab zu setzen, da sie höchstens nochmal 30 ml hinterher getrunken hat. Meist weniger. Hunger schien sie also nicht zu haben. Die Püppi war bei diesem Treff sehr unruhig, weinte viel, war müde, hatte Bauchweh. Als wir wieder zu Hause waren hatte sie die Hose voll. Ich setzte mich hin und wollte die Windel wechseln. Als ich sie aufmachte war sie voll mit blutigen Stuhlgang. Mir blieb das Herz stehen. Der erste Gedanke die IBCLC anzurufen. Sie sagte mir ich sollte in die Kinderklinik und auf jedenfall die Windel mitnehmen. Ich hatte einfach nur Angst. Ich sagte meinen Mann bescheid und wir sind dann los. Im Krankenhaus wurde sie soweit untersucht. So sah man nichts ausser das sie hat sehr schmächtig war. Der Doc hörte sich die Geschichte an und ich sollte ihm meinen Essensplan aufzählen der letzten Zeit. Er meinte das es nach einer Proteinintoleranz aussehen würde. Ich sollte auf sämtliche Milchprodukte verzichten. Das tat ich auch, ernährte mich vegan und mit zusätzlichen Aufbaumitteln für den Darm wurde es schnell besser. Sie fing an zu zunehmen. Zwar langsam aber es ging bergauf. Und das nur durchs stillen Sie ist jetzt vor kurzem 2 Jahre geworden und stillt immer noch zu 95% Aus der Intolleranz ist eine Allergie nachgewiesen worden aber es geht ihr prächtig und gewichtlich lag sie bei der U7 im Normbereich. Wir hatten noch 3 weitere Problemchen aber bekommen alles wieder in den Griff. Vielleicht hilft dieser Bericht jemanden, das sich das Kämpfen lohnt. Für uns hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

Nach einer problemlosen Schwangerschaft kam mein Sohn als Spätfrühchen, bei 35+1 an einem schönen Wintertag gegen 18 Uhr, zur Welt. Nach ein paar Minuten auf meiner Brust musste er mit der Kinderäztin mit und wurde untersucht. Zum Glück war er kerngesund und durfte dann wieder zurück zu mir. Noch im Kreißsaal habe ich versucht ihn anzulegen, er hat ein wenig genuckelt, aber mehr auch nicht. Da er dann doch seine Temperatur nicht gut halten konnte, kam er über Nacht in ein Wärmebettchen, das im Schwesternzimmer stand. Einmal kam die Schwester und meinte, dass mein Sohn Hunger hat, sie hat mir dann die Brust ausgestrichen. Ich verstehe bis heute nicht, warum sie mir mein Baby nicht einfach brachte… Das war auch das einzige Mal in dieser Nacht, dass sie kam. Er wurde dann “gefeedert”, wie sie es nannten. Muttermilch aufgefüllt mit Pre in einer Spritze, dann wird ein Finger in den Mund gesteckt und während das Baby am Finger nuckelt, wird die Milch in den Mund gespritzt. Mein Kleiner war einfach zu schwach um richtig zu stillen, er saugte zwei, drei Mal, dann schlief er ein. Also sollte ich abpumpen und weiter “feedern”. Direkt in der Klinik bekam ich ein Rezept für eine Milchpumpe. So fütterte ich auch Zuhause, während ich immer mehr versuchte ihn an die Brust zu kriegen. Das tolle Stillbuch, das ich vor der Geburt las, in dem die verschiedenen Positionen beschrieben waren, das konnte ich total vergessen. Meine Brüste waren viel zu groß um mein Baby genau so anzulegen… So kämpfte ich mich Zuhause durch und versuchte meinen eigenen Weg zu finden. Genau eine Woche nach der Geburt gingen wir das erste Mal zum Kinderarzt. Dort wurde mir ganz schrecklich Angst gemacht – er hätte viiiiiiel zu wenig zugenommen und eine Neugeborenengelbsucht hätte er auch. Kurz darauf saß ich heulend im Krankenhaus… Auf dem Weg dorthin habe ich direkt Fläschchen in der Apotheke gekauft, er hat daraus auch direkt knapp 90ml Muttermilch getrunken. Im Krankenhaus wurde ich beruhigt, alles sei in bester Ordnung. Aber ich war innerlich total angeknackst, wollte doch nur, dass es meinem Kleinem gut geht. Also blieb das Fläschchen. Und mein Baby trank immer kürzer an der Brust und wollte immer schneller die Flasche haben. Jetzt trank mein Baby – und es trank viel! Er nahm ordentlich zu. Und mir ging es immer schlechter… Ich wollte doch stillen! Ich wollte meinem Baby doch die beste Nahrung bieten. Und was tat ich? Fütterte mehr Pre, als dass wir stillten. Das wollte ich nicht mehr! Ich zog die Notbremse und tat das einzig richtige für uns: Ich habe nie wieder ein Fläschchen angerührt! Die ersten zwei Tage haben wir eigentlich pausenlos gestillt, das war sehr mühsam! Aber dann haben wir uns endlich als Stillteam gefunden und es funktionierte tadellos! Wir haben knapp drei Monate gebraucht um uns zu finden. Auch war ich früher sehr gehemmt, was das Stillen ausserhalb meiner Wohnung anging. Am liebsten hätte ich es gar nicht getan… Oder irgendwo versteckt in einer Ecke und dann auch noch ein Tuch drüber gehängt, dass niemand etwas sieht. Mittlerweile stille ich einfach überall. Nun ist mein Baby 9 Monate alt und wir stillen immer noch sehr häufig und hoffentlich auch noch ganz lange. Stillen ist viel mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist pure Liebe.