Ich teile meine Trauer mit euch Stillgeschichten

„Wir stillen nur noch heimlich.“ Blogparade „Meine Stillgeschichte“

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Wir stillen nur noch heimlich

Es lief gut. Ich konnte ihn gleich nach der Geburt anlegen, so richtig gesaugt hat er aber erst als wir irgendwann aus dem Kreissaal draußen waren. Ich erinnere mich noch genau, wie es sich angefühlt hat, das erste Mal jemanden an der Brust saugen zu haben. Sehr ungewohnt, aber nicht schmerzhaft. Im Stillzimmer sollte jede Brust 15 Minuten gestillt werden, das war ok. Die Schwestern haben schon ein paar Tipps gegeben, aber hätte ich ernsthafte Probleme gehabt, hätten sie mir wahrscheinlich nicht weiterhelfen können. Glücklicherweise bin ich gut klar gekommen. In unserem Zimmer habe ich ihn einfach immer angelegt, wenn es sich richtig angefühlt hat. Ich wurde oft gefragt, ob der Milcheinschuss schon war, ich hatte keine Ahnung, habe letztendlich auch gar nicht mitbekommen, wann er gewesen ist.

Im Krankenhaus gab es eine Trageberaterin,

so konnte ich ihn gleich im Tuch mit nachhause nehmen. So ging auch das Stillen unterwegs recht gut.
Etwas verunsichert hat uns die Nachsorgehebamme mit alle vier Stunden Stillen und wenn er nicht hastig mit großen Schlucken trinkt, hat er nicht wirklich Hunger, sondern will nur nuckeln, aber das hat nicht funktioniert und war mir zu stressig, also haben wir einfach weitergemacht wie bisher. Nach fünf Wochen hatte ich einen Milchstau, ich war dann nochmal auf der Geburtsstation und habe Antibiotika verschrieben bekommen. Im Nachhinein denke ich, dass es wahrscheinlich auch so weggegangen wäre, denn er hat die Brust gut leer gemacht, sodass zwar noch ne Verhärtung da war, aber nicht mehr die ganze Brust hart war und schmerzte und mir ging es auch schon wieder gut. Ich wusste allerdings nicht, dass ein Milchstau auch von allein wieder weggehen kann. War aber auch kein großes Drama.

Das Stillen ging immer weiter,

irgendwann hat er dann auch noch andere Sachen gegessen. Nach sechs Monaten ist mein Mann ins Wohnzimmer umgezogen, zum ersten Geburtstag hatten wir das Kinderzimmer endlich fertig und Baby und ich konnten dorthin ziehen, sodass mein Mann wieder im Schlafzimmer schlafen konnte. Zu dritt in eine Bett hat bei uns leider nicht funktioniert, dafür hat Papa einen zu leichten und zu schlechten Schlaf. Ich weiß nicht mehr, wann genau, aber irgendwann habe ich dann begonnen, den kleinen Mann nachts abzustillen, weil er nur noch am Dauerstillen war und mir das zu viel wurde. Das war eine große Erleichterung, es gab zwar öfter mal Krankheits- oder Zahnpausen, aber irgendwann waren wir stabil bei ein- bis dreimal stillen die Nacht. Zu der Zeit habe ich auch zum ersten Mal beobachten, wie er nachts wach wurde, sich umdrehte und weiterschlief.

Anfang des Jahres, um anderthalb Jahre rum, wurde ich immer mehr zum Abstillen gedrängt. Bei Freunden oder Bekannten war mir das ziemlich egal, aber meinem Mann war es auch sehr wichtig, dass das Stillen bald aufhört. Seine Argumente hatten mich überzeugt, manches ist ja schon bequemer, wenn man nicht mehr stillt, ich hatte auch grade wieder einen Milchstau gehabt, Papa hatte keine Chance den Kleinen ins Bett zu bringen oder zu beruhigen. Ich weiß nicht was es sonst noch gab, jedenfalls haben wir uns auf ein Abstillen innerhalb der nächsten drei Monate geeinigt. Ein wenig traurig war ich schon, da ich eigentlich wenigstens zwei Jahre lang stillen wollte, aber irgendwie auch ein bisschen erleichtert und außerhalb haben sich auch alle gefreut, na siehst du, haben wir doch gesagt, dass es langsam Zeit ist, ist auch besser so, er ist ja schon alt genug, und so weiter. Das war ganz schön, in dem Moment ein wenig dazuzugehören.
Als Rat wie ich am besten Abstillen sollte habe ich von vielen gehört, dass sie einfach von jetzt auf gleich aufgehört haben und die Brust das problemlos mitgemacht hat, problematisch sei es nur wenndas Baby noch jünger ist. Also sind wir zu Oma und Opa gefahren und Oma hat ihn abgelenkt. Das hätte auch funktioniert, hätte meine Brust das mitgemacht. Was ich nämlich nicht bedacht habe war, dass die meisten, mit denen ich gesprochen habe, vor dem Abstillen vielleicht noch so ein bis zweimal täglich gestillt haben, bei mir waren es etwa 20-30 Mal.
Beim nächsten Versuch habe ich das Stillen allmählich reduziert, erst nachts, dann tagsüber, bis wir bei drei Mal pro Tag waren, nach ein paar Tagen bei zweimal, dann einmal, alle zwei Tage, alle, drei Tage. So hat es sich langsam ausgeschlichen.

Die Zeit mit einmal pro Tag stillen habe ich sehr genossen,

da sowohl die Vorzüge des Stillens als auch die des nicht Stillens da waren. Er hat begonnen durchzuschlafen, ich konnte so wieder öfter mal im Schlafzimmer schlafen, Papa konnte ihn ins Bett bringen und besser beruhigen und wir hatten trotzdem noch unsere tägliche Kuschelzeit. Leider konnte ich meinen Mann davon als Kompromiss nicht überzeugen, es war so in ihm drin, dass nach dem Abstillen alles einfacher wird und der Druck von außen hat ihm um einiges stärker zugesetzt als mir. So ging die Stillzeit erstmal vorbei.
Erstmal, denn nach ein-zwei Monaten fing es langsam wieder an.
Auch nach dem Abstillen hat er die Brust zur Beruhigung noch angefasst und gekuschelt und eines Tages berührte er die Brustwarze mit den Lippen. Er muss sich an irgendwas erinnert haben, aber wie man saugt hatte er vergessen. Jedenfalls begann er an der Brustwarze herumzukauen, das war für mich ok, denn sie ist durch das Stillen extrem schmerzunempfindlich geworden. Insgeheim habe ich gehofft, dass er sich wieder daran erinnert, aber wirklich daran geglaubt habe ich nicht. Ein paar Tage, vielleicht eine Woche lang hat er immer mal wieder an der Brustwarze gekaut und dann konnte er es plötzlich wieder.

Seitdem stillen wir heimlich hinter verschlossener Tür.

Das ist eigentlich wirklich praktisch, denn das Umfeld denkt, ich habe abgestillt und ich habe da meine Ruhe und keinen Stress, bis dann und dann abstillen zu müssen. Mit meinem Mann sieht die Sache aber ganz anders aus. Es ist wirklich hart, so ein großes Geheimnis vor ihm zu haben. Sagen kann ich es ihm aber nicht, dafür ist mir das Stillen momentan zu wichtig. Er redet immer noch oft davon, wie froh er ist, dass der Kleine abgestillt ist. Für meinen Sohn bin ich aber sehr froh, dass er jetzt doch die Möglichkeit hat, weiterhin vom Stillen zu profitieren, ich denke es gibt ihm noch sehr viel und auch ich genieße es. Ich hoffe nur, dass die Geschichte gut ausgeht, so ein Geheimnis bringt ja doch ein ganz schönes Risiko mit sich.

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